Anforderungsanalyse & Prozess-Mapping: Die Blaupause für eine erfolgreiche Business Central Implementierung

Teil 2 von 11 in der Business-Central-Implementierungsserie

Veröffentlicht: Dezember 2025 | Lesezeit: 14 Minuten

Einleitung

Nachdem Sie das Fundament Ihrer Business-Central-Implementierung gelegt haben, folgt nun eine der entscheidendsten Phasen: Anforderungsanalyse & Prozess-Mapping. In dieser Phase wird Ihre Vision von einer groben Zielvorstellung zu einer belastbaren Blaupause, die Konfiguration, Anpassungen und Rollout-Entscheidungen steuert.

Stellen Sie sich diese Phase wie die Architekturplanung beim Hausbau vor: Niemand beginnt mit dem Bau ohne detaillierte Pläne. Genauso sollten Sie Business Central nicht konfigurieren, ohne Ihre Prozesse, Anforderungen und Zielbilder wirklich zu verstehen. Was Sie jetzt sauber erheben und dokumentieren, beeinflusst Qualität, Effizienz und Nutzerzufriedenheit Ihrer Lösung direkt.

Dieser Leitfaden liefert Ihnen bewährte Methoden, Frameworks und Best Practices, um Anforderungen strukturiert zu erheben und aussagekräftige Prozessmodelle zu erstellen – so, dass die Fähigkeiten von Business Central optimal zu Ihrem Unternehmen passen.

Ist-Analyse: Verstehen, wo Sie heute stehen

Bevor Sie den Soll-Zustand in Business Central entwerfen, müssen Sie Ihre aktuellen Abläufe realistisch erfassen.

Bestehende Geschäftsprozesse dokumentieren

Beginnen Sie mit einer systematischen Dokumentation dessen, wie die Arbeit tatsächlich erledigt wird – nicht nur, wie es in Richtlinien steht.

Vorgehen zur Prozessdokumentation:

1. Kernprozesse identifizieren: Erstellen Sie zunächst eine Übersicht Ihrer wichtigsten Prozesse nach Funktionsbereichen:

Finanzprozesse:

  • Hauptbuchführung und Kontenplan-Struktur

  • Kreditoren (Accounts Payable): Lieferantenverwaltung, Rechnungsprüfung, Zahlungsabwicklung

  • Debitoren (Accounts Receivable): Kundenverwaltung, Faktura, Mahnwesen

  • Bankabstimmung und Cash Management

  • Anlagenbuchhaltung und Abschreibungen

  • Periodenabschluss/Monatsabschluss

Vertrieb & Marketing:

  • Lead- und Opportunity-Management

  • Angebots- und Proposal-Erstellung

  • Auftragsbearbeitung und Fulfillment

  • Kundenbeziehungsmanagement

  • Preis- und Rabattmanagement

  • Provisionsberechnung

Einkauf & Beschaffung:

  • Lieferantenauswahl und Qualifizierung

  • Bestellanforderungen und Genehmigungsworkflows

  • Erstellung und Verwaltung von Bestellungen

  • Wareneingang und Qualitätsprüfung

  • Drei-Wege-Abgleich (Bestellung, Wareneingang, Rechnung)

  • Lieferanten-Performance-Management

Lager & Logistik:

  • Artikelstammdaten-Management

  • Wareneingang und Einlagerung

  • Umlagerungen zwischen Standorten

  • Inventur (Stichproben/ Zykluszählung) und Stichtagsinventur

  • Kommissionierung, Packen und Versand

  • Retourenabwicklung

  • Chargen- und Seriennummernverfolgung

Fertigung (falls relevant):

  • Stücklistenmanagement

  • Produktionsauftragsplanung und Terminierung

  • Shopfloor-Steuerung und Arbeitspläne

  • Materialbedarfsplanung (MRP)

  • Kapazitätsplanung

  • Arbeitsplatz-/Maschinenzentrumsverwaltung

  • Qualitätskontrolle und Prüfung

2. Prozess-Walkthroughs: Führen Sie strukturierte Walkthroughs mit Prozessverantwortlichen und echten Anwendern durch:

  • Mitarbeitende bei typischen Tätigkeiten „shadowen“

  • Schritt-für-Schritt-Abläufe dokumentieren

  • Systeminteraktionen und Datenflüsse festhalten

  • Übergaben zwischen Rollen/Abteilungen identifizieren

  • Zeiten, Häufigkeiten und Volumina notieren

  • Ausnahmen und Workarounds erfassen

  • Pain Points und Ineffizienzen sammeln

3. As-Is-Prozessmodelle: Erstellen Sie visuelle Darstellungen mit gängiger Notation:

  • Swimlane-Diagramme: Prozessfluss über Rollen/Abteilungen hinweg

  • Flowcharts: Entscheidungen und Verzweigungen

  • Datenflussdiagramme: Wie Informationen durch Systeme wandern

  • SIPOC (Suppliers, Inputs, Process, Outputs, Customers): High-Level-Überblick

Wichtige Informationen, die Sie erfassen sollten:

  • Trigger/Start-Ereignisse

  • Benötigte Inputs und Quellsysteme

  • Entscheidungskriterien und Freigaben

  • Systemschritte vs. manuelle Schritte

  • Outputs und Downstream-Nutzer

  • Kennzahlen und SLAs

  • Compliance- und Audit-Anforderungen

Pain Points und Ineffizienzen identifizieren

Wenn Sie Ist-Prozesse dokumentieren, erfassen Sie Probleme systematisch.

Typische Pain-Point-Kategorien:

Manuelle und redundante Arbeit:

  • Doppelte Dateneingaben in mehreren Systemen

  • Manuelles Abtippen aus E-Mails/Dokumenten

  • Excel-Tracking und Abstimmungen

  • Copy-Paste zwischen Anwendungen

  • Manuelle Berechnungen (Summen, Beträge)

Fehlende Integration:

  • Getrennte Systeme mit Import/Export-Dateien

  • Informationsweitergabe per E-Mail

  • Telefonate zur Verfügbarkeits-/Statusabfrage

  • Manuelle Konsolidierung aus mehreren Quellen

  • Inkonsistente Daten je System

Geringe Transparenz:

  • Keine Echtzeit-Bestände

  • Keine konsolidierte Finanzsicht

  • Kein Drill-down von Summen auf Details

  • Fehlende Audit Trails

  • Status nicht in Echtzeit nachverfolgbar

Prozessverzögerungen:

  • Papierbasierte Freigaben

  • Sequenzielle Verarbeitung statt Parallelisierung

  • Batch-Läufe mit langen Durchlaufzeiten

  • Engpässe durch Single-Point-of-Failure

  • Langer Monatsabschluss

Datenqualitätsprobleme:

  • Uneinheitliche Stammdaten (Kundennamen, Artikelbezeichnungen)

  • Dubletten

  • Veraltete Informationen

  • Fehlende Pflichtfelder

  • Keine Validierungsregeln

Compliance- und Kontrollrisiken:

  • Unzureichende Funktionstrennung (Segregation of Duties)

  • Fehlende/zu schwache Freigabekontrollen

  • Unvollständige Audit Trails

  • Schwierige Nachweisbarkeit regulatorischer Anforderungen

  • Manuelle Kontrollen mit hoher Fehleranfälligkeit

Ist-Performance quantifizieren

Ermitteln Sie Baseline-Kennzahlen, um spätere Verbesserungen messen zu können:

Prozesskennzahlen:

  • Order-to-Cash-Durchlaufzeit

  • Procure-to-Pay-Durchlaufzeit

  • Tage für Monatsabschluss

  • Rechnungsverarbeitungszeit

  • Auftragsabwicklungszeit

  • Bestandsgenauigkeit

  • Termintreue

Qualitätskennzahlen:

  • Fehlerquoten und Korrekturvolumen

  • Kundenbeschwerden

  • Retouren/Ausschuss

  • Rework-Anteil

Kostenkennzahlen:

  • Prozesskosten pro Transaktion

  • FTE-Zeitanteile nach Tätigkeit

  • IT-Wartungs- und Supportkosten

  • Lizenz- und Infrastrukturkosten

User-Experience-Kennzahlen:

  • Anzahl Systeme, die Nutzer bedienen müssen

  • Zeitaufwand für Routineaufgaben

  • Workarounds

  • Einarbeitungszeit neuer Mitarbeitender

  • User-Zufriedenheit

Gap-Analyse: Die Brücke zwischen Ist- und Soll-Zustand

Die Gap-Analyse zeigt Unterschiede zwischen Ihrer heutigen Arbeitsweise und der künftigen Arbeitsweise mit Business Central.

Soll-Zielbild definieren

Formulieren Sie, wie Business Central Ihre Abläufe verbessern soll:

Prozessverbesserungen:

  • Automatisierte Workflows statt manueller Freigaben

  • Echtzeit-Integration statt Doppelerfassung

  • Self-Service-Portale zur Reduktion von Rückfragen

  • Mobile Nutzung für Außendienst/Service

  • KI-gestützte Insights für Entscheidungen

Business-Fähigkeiten:

  • Standortübergreifende Bestands-Transparenz

  • Konsolidierte Finanzberichte über Gesellschaften

  • Integrierte CRM- und ERP-Workflows

  • Erweiterte Analytics und Forecasting

  • Bessere Compliance- und Audit-Unterstützung

Gaps klassifizieren

Kategorisieren Sie jeden Gap:

1. Konfigurations-Gaps: Durch Standard-Setup lösbar

  • Beispiel: Kostenstellen-Tracking fehlt → Business-Central-Dimensionen lösen das nativ

2. Prozessänderungs-Gaps: Erfordern Prozessneugestaltung

  • Beispiel: Freigaben per E-Mail → Business-Central-Genehmigungsworkflows einsetzen

3. Trainings-Gaps: Durch Schulung lösbar

  • Beispiel: Manuelle Preisberechnung → Schulung zur automatischen Kalkulation

4. Integrations-Gaps: Technische Integration erforderlich

  • Beispiel: Synchronisation mit CRM → API-Integration

5. Anpassungs-Gaps: Custom Development oder Drittanbieter-Erweiterung

  • Beispiel: Branchenreporting → Custom Report oder AppSource-Lösung

6. Daten-Gaps: Datenbereinigung/-anreicherung nötig

  • Beispiel: Uneinheitliche Produktkategorien → Standardisierung der Stammdaten

Priorisierungs-Framework

Nicht alles ist gleich wichtig. Nutzen Sie eine strukturierte Priorisierung.

MoSCoW-Methode:

Must Have: Kritisch für Day-1, ohne nicht produktiv

  • Kern-Finanzprozesse (GL/Hauptbuch, Kreditoren, Debitoren)

  • Essenzielle Integrationen für den Tagesbetrieb

  • Compliance-/Regulatorik-Anforderungen

  • Kritisches Reporting

Should Have: Wichtig, aber temporäre Workarounds möglich

  • Effizienzverbesserungen mit messbarem ROI

  • Integrationen mit sekundären Systemen

  • Besseres Reporting

  • Mobile Nutzung für relevante Teams

Could Have: Wünschenswert, aber verschiebbar

  • Advanced Analytics

  • Nice-to-have-Anpassungen

  • Optionale Integrationen

  • Prozess-Feinschliff

Won’t Have (in dieser Phase): Bewusst in spätere Releases verschoben

  • Komplexe Anpassungen mit begrenztem ROI

  • Experimentelle Anforderungen

  • Abhängigkeiten von externen Faktoren

  • Low-Priority-Optimierungen

Scoring-Matrix:

Bewerten Sie Anforderungen nach Kriterien:

Kriterium

Gewicht

Score (1–5)

Business Impact

30%

Hoher Impact = 5

Nutzeranzahl

20%

Viele Nutzer = 5

Häufigkeit

15%

Täglich = 5

Komplexität

15%

Einfach = 5

ROI

20%

Hoher Return = 5

Berechnen Sie den gewichteten Score, um Anforderungen objektiv zu ranken.

Methoden für Business Process Mapping

Gutes Prozess-Mapping schafft gemeinsames Verständnis und leitet Konfigurationsentscheidungen.

Best Practices für Prozess-Mapping

Visuell und zugänglich halten:

  • Einheitliche Notation und Symbole

  • Legende für Symbole

  • Detaillierungsgrad passend zur Zielgruppe

  • Farbcodierung zur Orientierung

  • Ablage in einem gemeinsamen Repository

Wertschöpfung fokussieren:

  • Nicht-wertschöpfende Schritte markieren

  • „Warum“ hinter jedem Schritt hinterfragen

  • Notwendigkeiten kritisch prüfen

  • Automatisierungspotenziale identifizieren

Alle Perspektiven einbeziehen:

  • Menschen einbinden, die täglich arbeiten

  • Upstream- und Downstream-Stakeholder berücksichtigen

  • Kunden- und Lieferantenperspektive einbeziehen

  • Compliance/Audit früh einbinden

Entscheidungen und Annahmen dokumentieren:

  • Begründen, warum ein Prozess so gestaltet wird

  • Alternativen festhalten

  • Abhängigkeiten notieren

  • Offene Punkte sichtbar tracken

Effektive Prozessmodelle erstellen

To-Be-Prozessmodelle für Business Central:

Entwerfen Sie Soll-Prozesse, die Business-Central-Funktionen nutzen.

Beispiel: Verkaufsauftragsprozess

Ist-Probleme:

  • Manuelle Auftragserfassung aus E-Mail/Telefon

  • Keine Echtzeit-Bestände

  • Separater Kreditprüfungsprozess

  • Manuelle Versandkoordination

  • Verzögerte Faktura

Soll mit Business Central:

  1. Kundenportal oder E-Mail-Integration erstellt Entwurf des Verkaufsauftrags

  2. Automatische Kreditlimitprüfung mit Freigabeprozess

  3. ATP-Prüfung (Available-to-Promise) in Echtzeit

  4. Automatische Reservierung von Bestand

  5. Integrierte Lagerkommissionierung wird erzeugt

  6. Automatisches Buchen von Lieferung und Rechnung

  7. Elektronischer Rechnungsversand

  8. Integrierte Debitorenbuchhaltung

Bausteine einer Prozesskarte:

  • Klarer Start- und Endpunkt

  • Entscheidungsknoten für Verzweigungen

  • Systemschritte sichtbar markieren

  • Rollenübergaben

  • Pfade für Ausnahmen

  • Zeit-/SLA-Hinweise

Workshops zur Anforderungsanalyse

Strukturierte Workshops beschleunigen die Anforderungserhebung und schaffen Konsens.

Workshop-Planung:

Vorbereitung:

  • Klare Ziele je Workshop definieren

  • Passende Teilnehmer auswählen (ideal 6–12)

  • Pre-Reads verteilen

  • Leitfragen/Szenarien vorbereiten

  • Logistik klären (Raum/Tech/Verpflegung)

Workshop-Struktur (Halbtags):

Stunde 1: Ist-Zustand reviewen

  • Dokumentierte Ist-Prozesse vorstellen

  • Mit Teilnehmern validieren

  • Lücken identifizieren

  • Pain Points bestätigen

Stunde 2: Business-Central-Funktionen zeigen

  • Relevante Standardfunktionen demonstrieren

  • Standardprozesse zeigen

  • Konfigurationsoptionen erläutern

  • Integrationsmöglichkeiten erklären

Stunde 3: Soll-Zustand designen

  • To-Be-Prozesse gemeinsam entwerfen

  • BC-Funktionen auf Anforderungen mappen

  • Anpassungsbedarf identifizieren

  • Entscheidungen und Begründungen dokumentieren

Stunde 4: Gap-Analyse & Maßnahmenplanung

  • Gaps zusammenfassen

  • Anforderungen priorisieren

  • To-dos zuweisen

  • Folgetermine planen

Moderations-Techniken:

  • Parking Lot für Off-Topic-Punkte

  • Diskussionen zeitlich begrenzen

  • Entscheidungen/To-dos sichtbar festhalten

  • Konsens suchen, bei Bedarf eskalieren

  • Am Ende Kernergebnisse zusammenfassen

Workshop-Outputs:

  • Validierte Ist-Prozesskarten

  • Erste Soll-Prozesskarten

  • Anforderungskatalog (Draft)

  • Gap-Analyse-Übersicht

  • Maßnahmenliste

  • Log offener Punkte

Business-Central-Module mit Business Needs abgleichen

Ordnen Sie Anforderungen der modularen Struktur von Business Central zu.

Kernbereich Finanzmanagement

Hauptbuch:

  • Mehrdimensionale Kontenpläne

  • Unbegrenzte Dimensionen zur Analyse

  • Verteilregeln und Templates

  • Intercompany-Buchungen

  • Wiederkehrende Buchungen

  • Konsolidierung über Gesellschaften

Zu erhebende Anforderungen:

  • Kontenplanstruktur und Nummernlogik

  • Dimensionen (Abteilung, Projekt, Kostenstelle)

  • Verteil-/Allokationslogik

  • Monatsabschluss-Organisation

  • Reporting-Anforderungen

  • Gesetzliche/Regulatorische Reportings

Vertrieb & Kundenmanagement

Sales & Marketing:

  • Kundenbeziehungsmanagement

  • Angebot und Auftrag

  • Preis- und Rabattlogik

  • Kreditmanagement

  • Sales Forecasting

  • Kampagnenmanagement

Zu erhebende Anforderungen:

  • Kundenstammdaten

  • Preisstrategien (Listenpreise, kundenspezifisch, volumenbasiert)

  • Rabatte/Promotionen

  • Workflows/Freigaben

  • Provisionsregeln

  • Kundenportal-Anforderungen

Einkauf & Kreditoren

Einkauf:

  • Lieferantenverwaltung

  • Bestellanforderungen und Bestellungen

  • Wareneingang und Qualitätsprüfung

  • Rechnungsprüfung und Freigabe

  • Zahlungsabwicklung

  • Lieferantenanalyse

Zu erhebende Anforderungen:

  • Lieferantenstammdaten

  • Freigabeprozesse und Limits

  • Wareneingangs- und Qualitätsprozesse

  • Drei-Wege-Abgleich

  • Zahlungskonditionen und Zahlungsarten

  • Lieferantenbewertung

Lager & Warehouse Management

Inventarmanagement:

  • Artikelstamm und Kategorisierung

  • Mehrere Standorte und Lagerplätze

  • Umlagerungen

  • Artikelverfolgung (Charge/Serie)

  • Bewertungsmethoden

  • Zykluszählung und Korrekturen

Warehouse Management:

  • Erweiterte Lagerkonfiguration

  • Geführtes Einlagern/Kommissionieren

  • Cross-Docking

  • Lagerplatzverwaltung

  • Mobile Lagergeräte

  • Versand und Wareneingang

Zu erhebende Anforderungen:

  • Artikelstammstruktur und Attribute

  • Standorte und Lagerlayout

  • Tracking-Anforderungen

  • Bewertungsmethode (FIFO, Durchschnitt, Standard)

  • Dispositions-/Nachschubstrategien

  • Inventurverfahren

Fertigung

Fertigung:

  • Produktionsstücklisten und Arbeitspläne

  • Produktionsaufträge und Terminierung

  • Kapazitätsplanung

  • Shopfloor-Steuerung

  • MRP

  • Lohnvergabe/Subcontracting

Zu erhebende Anforderungen (falls relevant):

  • BOM-Struktur und Regeln

  • Routing/Arbeitsplatzdefinition

  • Planungsparameter

  • Datenerfassung am Shopfloor

  • Qualitätsprozesse

  • Kalkulationsmethodik

Projektmanagement

Jobs (Projekte):

  • Projekteinrichtung und Planung

  • Ressourcenplanung

  • Zeit- und Spesenerfassung

  • WIP-Berechnung

  • Projektfaktura

  • Profitabilitätsanalyse

Zu erhebende Anforderungen (falls relevant):

  • Projektarten und Kategorisierung

  • Ressourcenplanungsansatz

  • Time/Expense-Erfassung

  • Abrechnungsmodelle (T&M, Festpreis, Meilensteine)

  • WIP-Methodik

  • Projekt-Reporting

Service Management

Service:

  • Serviceartikel-Tracking

  • Serviceverträge

  • Serviceaufträge und Disposition

  • Ressourcen- und Skill-Management

  • Service-Preise

  • Gewährleistung

Zu erhebende Anforderungen (falls relevant):

  • Beziehung Serviceartikel ↔ Verkaufsartikel

  • Vertragstypen und Konditionen

  • Service Level Agreements

  • Techniker-Disposition

  • Ersatzteil-/Teilelager

  • Service-Reporting

Funktionale und technische Anforderungen dokumentieren

Übersetzen Sie Business Needs in klare, umsetzbare Anforderungen.

Funktionale Anforderungen

Struktur pro Anforderung:

Für jede Anforderung dokumentieren:

Requirement ID: Eindeutige ID (z. B. FIN-001, SAL-023)

Titel: Kurzer, sprechender Name

Business Need: Warum es diese Anforderung gibt

Beschreibung: Was konkret benötigt wird

Akzeptanzkriterien: Wie geprüft wird, dass die Anforderung erfüllt ist

Priorität: Must/Should/Could/Won’t

Modul/Bereich: Betroffener Business-Central-Bereich

Typ: Konfiguration/Prozess/Integration/Anpassung/Daten

Abhängigkeiten: Verwandte Anforderungen und Voraussetzungen

Beispiel:


Technische Anforderungen

Integrationsanforderungen:

  • Quell-/Zielsysteme

  • Datenobjekte und Felder

  • Frequenz (Echtzeit/Batch)

  • Richtung (uni-/bidirektional)

  • Volumina

  • Fehlerhandling

  • Security/Authentifizierung

Anpassungsanforderungen:

  • Business Need

  • Gap zur Standardfunktion

  • Spezifikation

  • UI-Anforderungen

  • Business-Logik und Validierung

  • Performance-Aspekte

Reporting-Anforderungen:

  • Zweck und Zielgruppe

  • Datenquellen

  • Filter/Parameter

  • Layout

  • Verteilung

  • Frequenz

Requirements-Traceability

Stellen Sie Nachvollziehbarkeit vom Business Need bis zur Umsetzung sicher.

Traceability Matrix:

  • Verknüpft Business-Ziele mit Anforderungen

  • Mappt Anforderungen auf Konfiguration/Entwicklung

  • Verbindet Anforderungen mit Testfällen

  • Traced Anforderungen bis in Trainingsunterlagen

So stellen Sie sicher, dass jede Anforderung echten Business Value liefert – und nichts „durchrutscht“.

Requirements Review und Validierung

Sichern Sie Vollständigkeit, Klarheit und Alignment mit Stakeholdern.

Review-Prozess

Review-Stufen:

1. Internes Review:

  • BA-Team prüft Konsistenz/Vollständigkeit

  • Technik prüft Machbarkeit

  • Projektleitung prüft Scope-Fit

2. Stakeholder-Validierung:

  • Prozessverantwortliche bestätigen fachliche Richtigkeit

  • Endanwender prüfen Usability

  • Executive Sponsors prüfen strategische Passung

3. Partner-Review:

  • Implementierungspartner bewertet BC-Fit

  • Technische Architekten bewerten Komplexität

  • Solution Designer schlagen Lösungswege vor

Review-Checkliste:

  • ✓ Klar verständlich formuliert

  • ✓ Business Need ist valide

  • ✓ Akzeptanzkriterien sind messbar

  • ✓ Priorität passt

  • ✓ Abhängigkeiten sind erfasst

  • ✓ Machbarkeit bestätigt

  • ✓ Aufwandsschätzung plausibel

  • ✓ Stakeholder-Konsens vorhanden

Baseline und Change Control

Nach Validierung legen Sie eine Baseline fest.

Baseline-Prozess:

  1. Freigegebene Anforderungen konsolidieren

  2. Formales Sign-off einholen

  3. Versionieren (Version Control)

  4. Baseline an alle Beteiligten kommunizieren

Change-Control-Prozess:

Nach Baseline Änderungen nur formal:

Change Request:

  • Änderung dokumentieren

  • Business-Begründung

  • betroffene Bereiche

Impact-Analyse:

  • Aufwand

  • Zeitplan

  • Kosten

  • Priorität vs. bestehender Scope

Entscheidung:

  • Steering Committee: approve / defer / reject

  • Entscheidung kommunizieren

Umsetzung:

  • Anforderungen aktualisieren

  • Projektplan anpassen

  • Betroffene informieren

  • Traceability Matrix aktualisieren

Diese Disziplin verhindert Scope Creep, ohne sinnvolle Anpassungen zu blockieren.

Deliverables: Ergebnisse der Anforderungsphase

Schließen Sie diese Phase mit vollständiger Dokumentation ab:

1. Anforderungsdokumentation

Ein vollständiger Katalog:

  • Funktionale Anforderungen je Modul

  • Technische Anforderungen (Integrationen, Anpassungen, Reports)

  • Nicht-funktionale Anforderungen (Performance, Security, Usability)

  • Requirements-Traceability-Matrix

2. Prozessmodelle

Visuelle Dokumente:

  • As-Is-Prozesskarten für Kernprozesse

  • To-Be-Prozesskarten mit Business-Central-Workflows

  • Gap-Analyse-Zusammenfassung

  • Prozessverbesserungspotenziale

3. Gap-Analyse-Report

Umfassender Report:

  • Gaps nach Typ kategorisiert

  • Lösungsvorschläge

  • Prioritäten

  • Aufwandsschätzungen

  • Phasing-Empfehlungen

4. Modul-Auswahlmatrix

Entscheidungsframework:

  • Empfohlene Business-Central-Module

  • Begründung

  • Abhängigkeiten

  • Phasing-Strategie

Best Practices und Lessons Learned

Dos and Don’ts

Do:

  • ✓ Echte Anwender einbinden, nicht nur Führungskräfte

  • ✓ Realität dokumentieren, nicht Idealprozesse

  • ✓ Ineffiziente Prozesse hinterfragen statt automatisieren

  • ✓ Standardfunktionen von Business Central konsequent nutzen

  • ✓ Flexibilität für Veränderungen bewahren

  • ✓ Regelmäßig und transparent kommunizieren

Don’t:

  • ✗ Zu früh anpassen, bevor Standardfunktionen verstanden sind

  • ✗ Altsystem 1:1 nachbauen

  • ✗ Validierung mit Endanwendern überspringen

  • ✗ Scope Creep ohne Change Control zulassen

  • ✗ Anforderungen ohne Bezug zu BC-Funktionen dokumentieren

  • ✗ Zeitbedarf für gründliche Anforderungserhebung unterschätzen

Typische Fallstricke

Zu wenig Detail: Vage Anforderungen führen zu Missverständnissen und Nacharbeit.

Analysis Paralysis: Perfektion bremst – Ziel ist „ausreichend gut“, um weiterzukommen.

Technology-First: Starten Sie beim Business Need, nicht bei der technischen Lösung.

Change Management ignorieren: Requirements-Workshops sollten auch Buy-in erzeugen.

Integrationen unterschätzen: Integrationsanforderungen verdienen extra Fokus.

Fazit: Von Anforderungen zur Umsetzung

Gründliche Anforderungsanalyse und Prozess-Mapping machen abstrakte Ideen zu konkreten Implementierungsplänen. Die Investition zahlt sich in jeder späteren Phase aus – durch weniger Rework, bessere Akzeptanz und klarere Entscheidungen.

Key Takeaways:

Die Wahrheit dokumentieren: Wie wirklich gearbeitet wird – nicht wie es im Handbuch steht

Gaps fokussieren: Der Unterschied zwischen Ist und Soll steuert Ihre Entscheidungen

Standardfunktionen nutzen: Business Central kann oft mehr als anfangs erwartet

Konsequent priorisieren: Nicht alles gehört in Phase 1

Nutzer früh einbinden: Daily User liefern die wertvollsten Insights

Prozess vor System: Implementierung ist auch Prozessverbesserung

Mit klaren Anforderungen und Prozesskarten sind Sie bereit für die nächste Phase: Systemkonfiguration & Einrichtung – dort wird Ihre Blaupause in Business Central Realität.

Nächster Artikel in der Serie: Blog 3: Systemkonfiguration & Einrichtung – So übersetzen Sie Anforderungen in Business-Central-Setup: vom Kontenplan bis zu Berechtigungen.

Download-Ressourcen:

Fragen oder Kommentare? Teilen Sie Ihre Methoden und Erfahrungen zur Anforderungsanalyse gern in den Kommentaren.

Dies ist Teil 2 einer 8-teiligen Serie zur Business-Central-Implementierung. Abonnieren Sie, um Benachrichtigungen zu neuen Artikeln zu erhalten.

Tags: #BusinessCentral #Anforderungsanalyse #ProzessMapping #BusinessAnalyse #ERP #ERPImplementierung #ChangeManagement

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Sie sind auf Microsoft Dynamics 365 Business Central umgestiegen – herzlichen Glückwunsch! Sie nutzen nun eine moderne, cloud-first ERP-Plattform mit Enterprise-Funktionen. Doch was viele Unternehmen unterschätzen: Business Central ist kein „einmal einrichten und vergessen“. Microsoft veröffentlicht zwei Major Updates pro Jahr (April und Oktober) sowie monatliche Service Updates mit Bugfixes und kleineren Verbesserungen. Jede Release-Welle bringt: Neue Funktionen (KI-Fähigkeiten, Automatisierung, bessere UI) Performance-Verbesserungen (schnellere Reports, bessere Skalierung) Security-Enhancements (Compliance mit sich ändernden Anforderungen) Integrations-Updates (tiefere Microsoft-365-Integration) Bugfixes (bekannte Issues werden behoben)

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Business Central Support & Optimierung – Maximieren Sie Ihre ERP-Investition

Ihr Business-Central-Go-Live war erfolgreich – herzlichen Glückwunsch! Anwender erfassen Aufträge, buchen Rechnungen und steuern Bestände im neuen ERP-System. Der Sekt ist geöffnet, das Projektteam hat gefeiert und der Implementierungspartner ist weitergezogen. Aber was viele Unternehmen unterschätzen: Go-Live ist der Start Ihrer Business-Central-Reise – nicht das Ende. Die Realität: Monat 2: Anwender finden Workarounds für Funktionen, die sie noch nicht verstehen Monat 6: Anpassungen sammeln sich an (Quick Fixes werden zu technischem Schuldenberg) Monat 12: Die Systemperformance lässt nach (Reports werden langsam, Bestände driften) Monat 18: Anwender sind frustriert („BC funktioniert bei uns nicht“) Monat 24: Man denkt über das nächste ERP nach („wir brauchen etwas Besseres“)

Migrating from Legacy ERP to Business Central: A Proven Roadmap

Ihr aktuelles ERP hat Ihnen über Jahre gute Dienste geleistet – vielleicht Dynamics NAV, QuickBooks Enterprise, Sage, SAP Business One oder sogar ein individuell entwickeltes System. Doch inzwischen steigen die Herausforderungen: - **End-of-Support-Fristen**: Der Hersteller erzwingt ein Upgrade oder beendet den Support - **Steigende Wartungskosten**: Supportgebühren steigen, während die Plattform stagniert - **Integrationsprobleme**: Neue Tools (E-Commerce, CRM, BI) lassen sich nicht sauber anbinden - **Cloud-Anforderung**: Remote Work und verteilte Standorte erfordern Cloud-Zugriff - **Compliance-Druck**: Neue Regeln verlangen Funktionen, die Ihr System nicht bietet - **Fachkräftemangel**: IT-Personal für veraltete Plattformen ist schwer zu finden

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